Das entthronte Königspaar

Keine Sorge, das wird kein Text über royalen Gossip, sondern über zwei Asanas, die häufig als König und Königin des Yoga tituliert werden. Die Rede ist vom Sirsasana (Kopfstand), dem König und Sarvangasana (Schulterstand), der Königin. Die Titel vermitteln den Eindruck, dass es sich bei diesen Asanas um ganz wesentliche, essentielle Haltungen handelt, die ein echter Yogi üben soll.

In meiner ersten Ausbildung war der Kopfstand sogar das erste Asana, das ausführlich geübt wurde, da es die erste Haltung der Rishikesh-Reihe ist, dicht gefolgt vom Schulterstand. Eine ganze Weile übte ich beide Haltungen und freute mich natürlich über jeden länger gehaltenen freien Kopfstand. Es ist schon ein bemerkenswertes Gefühl, einmal alles umzudrehen. Der Schulterstand übte auf mich eine ähnliche Faszination aus. Langgezogener Nacken und dann noch die Beine hinter dem Kopf ablegen zu Halasana (Pflug)… Keine Frage, aus energetischer Sicht ist die Praxis dieser Reihe mit Kopf- und Schulterstand sehr interessant. Für junge, gesunde Übende kann sie definitiv eine Bereicherung darstellen.

Mit der Zeit veränderte sich meine Praxis aufgrund zweier Schwangerschaften, Rückbildung und diverser Rückenprobleme (die ich in abgeschwächter Form auch schon vor meiner Yogazeit hatte). Ich setzte mich auch theoretisch noch mehr mit meiner Yogapraxis auseinander und erforschte genau, was tut mir gut und was nicht. 2012 ging dann auch noch ein Aufschrei durch die Yogawelt, als das Buch „The Science of Yoga“ herauskam und zeitgleich ein Zeitungsartikel in der New York Times erschien „How Yoga can wreck your Body“ von William J. Broad auf den Markt kam. Die Lektüre stimmte mich im Großteil positiv hinsichtlich der generellen Praxis von Yoga, gab mir aber in Bezug auf ein paar Asanas ziemlich zu denken und ich war fortan vorsichtiger, insbesondere beim Unterrichten.

Ausschlag für meinen radikalen Ausschluss aus meiner Praxis und folglich auch aus meinen Kursen waren diverse weitere Lektüren und Empfehlungen von Yogalehrern mit medizinischem Hintergrund und der Kontakt zu Reha-Patienten mit Halswirbelsäulenproblemen. Ich weiß leider, wie heftig sich ein Bandscheibenvorfall anfühlt, zwar in der Lendenwirbelsäule, aber im Nacken stelle ich mir das fast noch heftiger vor. Und das ist nur eine mögliche Konsequenz, wenn das Asana nicht richtig geübt wird bzw. eben nicht zum Übenden passt. Meine Gesundheit und die meiner Teilnehmer steht für mich an oberster Stelle, ist sie es doch, die ich mit der Yogapraxis erhalten oder verbessern möchte. Ganz im Sinne von Ahimsa (Gewaltlosigkeit/nicht verletzen), einer der wichtigen Leitlinien im Yogasutra von Patanjali. Als Lehrerin weiß ich nicht, in welchem Zustand die Halswirbelsäule meiner Teilnehmern ist (sie wissen es ja teilweise selbst nicht).

Für den Kopfstand biete ich beispielsweise einen Kopfstandhocker an, so dass keinerlei Belastung auf der Halswirbelsäule entstehen kann. Für den Schulterstand gilt allgemein die Empfehlung, nicht die Halswirbelsäule zu belasten. Da ich als Lehrerin das nur schaffe, wenn ich eine sanftere Variante, Viparita Karani, übe, kann ich es guten Gewissens nicht meinen Teilnehmern empfehlen in den vollen Schulterstand zu gehen. Hier wird die Halswirbelsäule zusätzlich zur Belastung auch noch intensiv gedehnt.

Trotzdem möchte ich hier keine Asanas verteufeln und als grundsätzlich schlecht darstellen. Es geht immer darum, was ich mit meiner Praxis erreichen möchte und mit welchen Voraussetzungen ich übe. Jemand der schon früh regelmäßig geübt hat und sich in seiner Praxis sicher fühlt übt natürlich weiter.

Unsere Wirbelsäule ist ein Wunderwerk: stabil, anpassungsfähig und doch in einigen Bereichen sehr beweglich und empfindlich. Dieses Wunderwerk zu achten und gesund zu erhalten steht für mich in meiner Praxis ganz weit oben.

Warum ich Yoga unterrichte

“If you want to learn something, read about it. If you want to understand something, write about it. If you want to master something, teach it.” – Yogi Bhajan

Zu meiner ersten Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya habe ich mich in erster Linie angemeldet, um mehr zu lernen als jede Woche einmal in der Yogastunde. Damals war mir wichtig, herausgelöst aus dem Alltag tief einzutauchen und in geschützter Umgebung, geführt von einer klaren Yogatradition, mehr über mich zu lernen. Und genau das habe ich bei Yoga Vidya in Bad Meinberg erleben dürfen. Ich bin sehr dankbar für diese intensive Zeit und will sie niemals missen.

Gleichzeitig war diese Ausbildung der Grundstein für meine Unterrichtstätigkeit. So nervös ich vor den Lehrproben war, es hat einfach unheimlich viel Spaß gemacht und ich bekam sehr positive Rückmeldungen. Es ist schon eine Herausforderung, nach so kurzer Zeit gleich zu unterrichten, aber rückblickend war es genau richtig, gleich ins kalte Wasser zu springen und über die Jahre Schwimmen zu lernen. Zum Glück hat mich meine damalige Yogalehrerin geschubst 😉 Das obige Zitat ist für mich ein besonderer Ansporn, weiter zu machen und nicht nur von Fortbildungen, sondern natürlich auch von meinen Teilnehmern zu lernen. Und fröhliche, entspannte Gesichter nach der Stunde sind einfach wunderschön.

Mit der Zeit hat sich mein Unterrichtsstil sehr gewandelt. Um neue Impulse zu bekommen, mein anatomisches Fachwissen zu vertiefen und aktuelle Entwicklungen nicht zu verpassen, absolviere ich derzeit die zweite Yogaausbildung an der vh Ulm.

Mein Enthusiasmus und mein Feuer für Yoga, das bereits neun Jahre ungebremst anhält, zeigen mir ganz deutlich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.